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13.01.2021

EU: Anstieg der Erzeugermilchpreise setzte sich im November fort

Notierungen für Standardprodukte am Weltmarkt zu Jahresbeginn im Plus

Den Haag, 13. Jänner 2021 (aiz.info). - Die Erzeugermilchpreise sind in der EU auch im November 2020 leicht gestiegen. Führende Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Mittel 33,37 Cent netto/kg Rohmilch. Das entspricht gegenüber dem Vormonat einem Plus von 0,11 Cent. Die Vorjahreslinie wurde allerdings um 0,57 Cent oder 1,7% unterschritten. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor. Zum Vergleich: In Österreich wurden im November durchschnittlich 39,17 Cent/kg netto gezahlt (bei 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß), das waren um 0,47 Cent mehr als im Vormonat. Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich monatlich auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 marktführenden Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß errechnet. Der Durchschnittspreis beruht auf einer jährlichen Anlieferung von 1 Mio. kg.

Erzeugermilchpreise 2020 unter dem Vorjahresniveau

Die EU-Erzeugermilchpreise sind 2020 - vor allem auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie - von Februar bis Mai deutlich gesunken. Ab Juni setzte eine Phase der Erholung ein, die vorerst bis November anhielt. Laut vorläufigen LTO-Berechnungen dürften die Milchpreise auch im Dezember im Schnitt relativ stabil geblieben sein. Die bisher vorliegenden Preismeldungen der Molkereien lassen jedenfalls diesen Schluss zu. Nachdem die Einbußen aber in der ersten Jahreshälfte stärker waren als der Anstieg im zweiten Halbjahr, wird der durchschnittliche EU-Erzeugermilchpreis für 2020 unter dem Vorjahresniveau liegen, betonen die LTO-Experten.

Wie sich die Erzeugerpreise 2021 entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Einige Molkereien wie das belgische Unternehmen Milcobel meldeten bereits für Jänner höhere Auszahlungen (+1,4 Cent). Auf der anderen Seite kündigten der dänische Molkereiriese Arla (-1,2 Cent) sowie Friesland/Campina in den Niederlanden (-0,9 Cent) Preissenkungen an.

Globales Milchangebot auf hohem Niveau

Die weitere Richtung der Erzeugermilchpreise hängt nach Ansicht der LTO-Experten vor allem auch davon ab, wie gut das globale Milchangebot an die Nachfrage angepasst werden kann und wie lange die Corona-Pandemie zu Marktstörungen führt - hier ruhen die Hoffnungen auf den forcierten Impfungen.

Innerhalb der EU befindet sich die Milchanlieferung noch auf einem erhöhten Niveau: Von Jänner bis Oktober 2020 wurde die Vorjahresmenge in Summe um 1,8% übertroffen (EU ohne Großbritannien). Im Oktober machte das Plus noch 1,3% aus, wobei die Entwicklung in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich verlief.

In den USA übertraf die Anlieferung im Oktober das Vorjahresniveau um mehr als 2%. Neuseeland verzeichnete ebenfalls ein Plus, die Steigerung gegenüber dem Vorjahr war mit 0,8% geringer als im September. In Australien wurde im Oktober etwas weniger Milch produziert als im Vergleichszeitraum 2019 (-0,3%). Dem gegenüber meldeten Argentinien (+8%) und Uruguay (+6%) deutliche Produktionssteigerungen. In Summe dürfte die Erzeugung in den größten Milchexportländern (inkl. EU) von Jänner bis Oktober 2020 um 1,8% höher ausgefallen sein als vor einem Jahr.

GDT-Index startet mit Plus ins neue Jahr

Am Weltmarkt für Milcherzeugnisse war der Start ins neue Jahr von anziehenden Notierungen geprägt. Bei der ersten Auktion an der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) erhöhte sich der Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von verschiedenen Milchprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst ist, gegenüber dem vorherigen Event um 3,9%. Damit setzte sich die erfreuliche Aufwärtsentwicklung, die Mitte November 2020 eingesetzt hatte, fort.

Konkret legte beim jüngsten Event der Index für wasserfreies Milchfett (Butteröl) im Durchschnitt aller Kontrakte um 5,5% auf 4.604 USD/t zu. Butter wurde mit 4.526 USD/t sogar um 7,2% höher bewertet, der Index für Buttermilchpulver stieg um 6,9% auf 2.876 USD/t. Die Notierung für Cheddar-Käse erhöhte sich im Mittel um 5% auf 4.078 USD/t, Laktose wurde mit 1.099 USD/t um 7,4% höher bewertet.

Auch die Kurse für Milchpulver tendierten bei der ersten GDT-Auktion dieses Jahres nach oben. Der Index für Magermilchpulver erhöhte sich im Schnitt um 4,1% auf 3.044 USD/t. Die Notierung für Vollmilchpulver - das umsatzstärkste Produkt dieser Auktion - stieg um 3,1% auf einen mittleren Wert von 3.306 USD/t.

In Summe wurden beim jüngsten GDT-Event Molkereiprodukte im Umfang von 30.313 t verkauft, damit lag die Menge unter dem Niveau der vorhergehenden Auktion (31.701 t). Die Zahl der teilnehmenden Bieter erhöhte sich dagegen von 169 auf 178. (Schluss) kam