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22.09.2022

Coceral revidiert Ernteschätzungen der EU für Sommerungen deutlich nach unten

EU-Agrarwetterdienst: Regen zu spät - schlechte Erträge von Mais, Sonnenblumen und Soja

Wien, 22. September 2022 (aiz.info). - Der Dachverband des Getreidehandels in der EU, Coceral, schätzt in seiner September-Prognose die laufende Maisernte der EU-27 gegenüber jener vom Mai statt 65,99 Mio. t nurmehr auf 51,94 Mio. t. Das ist als Folge der sommerlichen Hitze und Dürre ein Einbruch der Maiserzeugung zum Vorjahr (70,20 Mio. t) um 26%. Weiters soll bei den im Herbst zur Ernte anstehenden Sommerungen der Ertrag von Sonnenblumen mit 9,01 Mio. t um 1,66 Mio. t schwächer ausfallen als in der Mai-Schätzung und etwa soviel hinter dem Vorjahresergebnis bleiben. Die Sojabohnenproduktion liegt nun bei 2,78 Mio. t nach 3,16 Mio. t im Mai-Bericht und ebenfalls unter den 3,04 Mio. aus 2021. Das jüngste MARS-Bulletin des EU-Agrarwetterdienstes konstatiert, die jüngsten Regenfälle in Europa seien für die Sommerungen in etlichen Regionen zu spät gekommen. Die Ertragserwartungen für Mais, Sonnenblumen und Sojabohnen liegen deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Demnach senken die Agrarmeteorologen der EU gegenüber ihrem August-Bulletin den Hektarertrag von Körnermais um 4% auf nunmehr 19% unter den Fünfjahres-Schnitt, die von Sonnenblumen bleiben unverändert zum Vormonat 13% unter dem Wert der vergangenen fünf Jahre und die Prognose für Sojabohnen verschlechtert sich um 2% auf nunmehr 17% weniger als der Schnitt der letzten fünf Jahre.

Coceral: Schlechtere Maisprognosen - eklatant kleinere Ernte in Ungarn

Die Herabsetzung der Maisprognose begründet Coceral mit verschlechterten Witterungsbedingungen während der Bestäubung in Ungarn, Rumänien, Frankreich, Italien und Deutschland. Im Gegensatz dazu soll Polen neuerlich eine üppige Maisernte von 7 Mio. t einfahren können und damit der drittgrößte Maisproduzent in der EU nach Frankreich und Rumänien sein.

Einen eklatanten Abfall der Produktion zum Vorjahr sieht der Verband in Ungarn bei Mais von 6,47 Mio. t auf 3,13 Mio. t sowie auch bei Weichweizen von 5,30 Mio. t auf 3,87 Mio. t.

EU erntet 2022 auch weniger Weichweizen und Getreide insgesamt

Der Getreidehandel sieht auch die schon im Sommer eingebrachte Weichweizenernte der EU-27 mit 125,57 Mio. t kleiner als im Mai und ebenso schwächer als im Vorjahr mit 129,45 Mio. t. Hitze und Dürre haben die Erwartungen für Ungarn und Spanien weiter gedrückt, so der Verband. Ebenso verhält es sich mit der gesamten Getreideproduktion der Union: Deren jüngste Schätzung beträgt 264,58 Mio. t - weniger als die vorige Prognose von 285,66 Mio. t und die 287,77 Mio. t von 2021. Wenngleich auch um 0,74 Mio. t weniger als im Mai, soll die Gerstenernte 2002 von 52,40 Mio. t jene des Vorjahres von 52,05 Mio. t leicht übertreffen. Bei den Ölsaaten soll heuer mit 19,53 Mio. t mehr Raps als die 17,42 Mio. t im Vorjahr erzielt worden sein, die Prognose steigt gegenüber Mai um 1,13 Mio. t.

Einschließlich Vereinigtes Königreich erntet demnach die ehemalige EU-28 heuer 287,9 Mio. t Getreide, deutlich weniger als in der Mai-Prognose mit 309,5 Mio. t und als im Vorjahr mit 309,8 Mio. t. Die Weichweizenproduktion in diesem Raum setzt Coceral mit 140,5 Mio. t an - unter den 143,0 Mio. t der vorigen Prognose und den 143,4 Mio. t des Jahres 2021.

Österreich: 2022 bessere Weizenernte und schlechtere von Mais

Für Österreich schätzt Coceral die Weichweizenernte 2022 gegenüber den 1,42 Mio. t des Vorjahres besser auf 1,53 Mio. t, ebenso die von Durum mit 110.000 t nach 84.000 t, Roggen legt im Jahresabstand von 155.000 t auf 170.000 t zu. Gerste wird hingegen mit 695.000 t weniger als 2021 mit 728.000 t, wobei vor allem die Sommergerste von 141.000 t auf 97.000 t neuerlich abnimmt.

Hitze und Dürre senken ebenso die Maisernte hierzulande von 2,40 Mio. t auf 1,95 Mio. t und die von Sonnenblumen von 75.000 t auf 71.000 t. Nur einer kräftigen Flächenausdehnung sei die Steigerung des Sojabohnenertrags von 233.000 t auf 260.000 t zu verdanken - die Hektarerträge fallen nämlich schwächer aus. Die inländische Rapsernte habe auf gleicher Fläche von 87.000 t leicht auf 90.000 zugelegt.
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