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07.11.2018

Bundesregierung gibt Startschuss für Erarbeitung der Bioökonomie-Strategie

Köstinger: Österreich macht sich auf den Weg in die erdölfreie Gesellschaft

Wien, 7. November 2018 (aiz.info). - In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute die drei Bundesminister Elisabeth Köstinger (Nachhaltigkeit und Tourismus), Norbert Hofer (Verkehr, Innovation und Technologie) sowie Heinz Faßmann (Bildung, Wissenschaft und Forschung) den Startschuss für die Erarbeitung einer Bioökonomie-Strategie gegeben, die den Umbau des Wirtschaftssystems sowie ein erdölfreies Österreich zum Ziel hat und bis zum Jahr 2050 abgeschlossen sein soll.

"Den Menschen ist viel zu wenig bewusst, wie viele Produkte des täglichen Lebens Erdöl oder andere fossile Rohstoffe enthalten", so Köstinger. Die Bioökonomie befasst sich damit, wie künftig die Verwendung von Erdöl in möglichst vielen Erzeugnissen vermieden oder durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden kann. Indem sie sie in ihrer Klima- und Energiestrategie (#mission2030) als einen Leuchtturm definiert hat, hat die Bundesregierung der Bioökonomie auch einen hohen Stellenwert eingeräumt und sieht sie als wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens sollen demnach bis 2030 die CO2-Emissionen um 36% gesenkt werden. "Unsere Experten rechnen damit, dass wir ein Drittel davon mit Maßnahmen aus der Bioökonomie erreichen können", sieht die Ministerin ein riesiges Potenzial, zu dessen Hebung nun ressortübergreifend die Grundlagen erarbeitet werden.

Innovation und Forschung als Schlüssel

Drei wesentliche Faktoren sind ausschlaggebend für die Erreichung der Vision einer umfassenden Dekarbonisierung in Österreich. Zum einen sind es nachwachsende Rohstoffe, deren Einsatz als Erdölsubstitut künftig erhöht wird, wie etwa Holz, das in Österreich nachhaltig erzeugt wird sowie großes und vielschichtiges Potenzial hat. Köstinger sieht darin eine Chance für die heimische Land- und Forstwirtschaft, die diese Rohstoffe erzeugt. Zum anderen werden Innovation und Forschung als Schlüssel zum Fortschritt angesehen. "Österreich ist eines der innovativsten Länder in diesem Bereich. Greifbare Beispiele und Anwendungen sind etwa Bitumen aus Rapsöl oder ein 3D-Drucker, der aus nachwachsenden Materialien Gegenstände druckt - Alltagsgegenstände wie Kleiderbügel aus biobasiertem Plastik oder das erste Hochhaus aus Holz, das derzeit in Aspern entsteht."

Bisherige Schritte der Bundesregierung bestanden aus einer Online-Konsultation mit Experten, die zwischenzeitlich abgeschlossen wurde. Eine zweite Phase soll Ende November starten. Weiters wurde eine Analyse des bestehenden Bioökonomie-Bereichs in Österreich durchgeführt. Derzeit werden Forschungsschwerpunkte erarbeitet, die in die Strategie aufgenommen werden sollen. Die fertige Bioökonomie-Strategie soll im ersten Quartal 2019 vorliegen, der als Grundlage für einen nationalen Aktionsplan dient, der im zweiten Halbjahr erstellt wird. Ferner wird ein Bioökonomie-Cluster gegründet, um bestehende Aktivitäten zu bündeln und die Schlagkraft zu erhöhen, skizzierte Köstinger die weitere Vorgehensweise. "Der Umbau unseres Wirtschaftssystems hat begonnen. Wir machen uns auf den Weg in eine erdölfreie Gesellschaft", betonte die Nachhaltigkeitsministerin abschließend.

Hofer: Aktuelle Investitionen sind Investitionen in die Zukunft

Welch bedeutenden Stellenwert das Thema für die Forschungs- und Innovationspolitik hat, veranschaulichte Minister Hofer mit den Forschungsmitteln seines Ressorts - alleine für Bioenergie werden pro Jahr 8,5 Mio. Euro aufgewendet, gut 2,7 Mio. Euro werden im Rahmen des Energieforschungsprogramms KLIEN sowie der Beteiligung am IEA TCP Bioenergy (Technology Collaboration Programme der Internationalen Energieagentur) ausgeschüttet. Etwa 10 Mio. Euro wurden seit 2011 für die biobasierte Industrie ausgeschüttet. "Ein wesentlicher Themenschwerpunkt ist auch, in der Produktion durch innovative Ansätze Waren zu optimieren, um Abfälle zu vermeiden und Rohstoffe gezielter ausnützen zu können. Dies betrifft alle Bereiche der Rohstoffindustrie - von Holz bis Metall", betont Hofer. Besondere Stärkefelder sieht der Minister in der Papier- und Zellstoffindustrie, dem Bau-, Dämmstoff- und Holzsektor, der chemischen Grundstoffindustrie mit Produkten wie z. B. Fasern, Kunststoffen oder Biotreibstoffen sowie der Nutzung von Bioenergie.

Hofer verwies auch auf weitere positive Effekte der Bioökonomie neben dem Klimaschutz, etwa auf die steigende Wertschöpfung im Inland, den großen Exporterfolg österreichischer bioökonomischer Erzeugnisse und das nicht zu unterschätzende Arbeitsplatzpotenzial. So sind bereits jetzt 180.000 Beschäftigte im Umweltbereich (sogenannte "Green Jobs") tätig.

Für den Verkehrssektor sehen Hofers Pläne die vollständige Elektrifizierung des Schienenverkehrs bis zum Jahr 2030 vor. Und auch Biotreibstoffe werden eine nennenswerte Rolle in der Mobilität der Zukunft spielen.

Bioökonomie in Europa vorantreiben

Für Werner Faßmann kann einer gut konzipierten Raumordnung, etwa durch Siedlungen der kurzen Wege, die den Verkehr minimieren, die Dekarbonisierung maßgeblich unterstützen. Auch hierfür sei eine enge Verknüpfung mit der Forschung notwendig. In Österreich gibt es zahlreiche Forschungsstellen, die sich mit einzelnen Bereichen der Bioökonomie befassen. Im kommenden Jahr soll an der Universität für Bodenkultur in Wien ein eigenes Zentrum für Bioökonomie zur Bündelung dieser Forschungsaktivitäten sowie als Anlaufstelle für Stakeholder geschaffen werden, kündigte der Ressortchef an.

Bioökonomie ist aber kein rein österreichisches Thema. Auch auf EU-Ebene gibt es zahlreiche Aktivitäten. Die EU-Kommission hat angekündigt, dafür in den nächsten Jahren rund 100 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen. (Schluss) wol