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12.02.2019

Biolandwirtschaft und -lebensmittelabsatz setzen dynamische Entwicklung fort

Flächensteigerung 2018 um 17.000 ha - 9% der Frischeprodukte im LEH sind bio

Wien, 12. Februar 2019 (aiz.info). - Anlässlich der BIOFACH, der Weltleitmesse für ökologische Lebensmittel, die von 13. bis 16. Februar 2019 in Nürnberg stattfindet, präsentierten Bio Austria und AMA-Marketing heute bei einer Pressekonferenz in Wien die aktuellen Zahlen zur biologischen Landwirtschaft in Österreich und zur Vermarktung ihrer Produkte im In- und Ausland. "Die Zahlen belegen die dynamische Entwicklung des Sektors und zeigen auf, dass Bio in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist", betonten Gertraud Grabmann, Obfrau des Verbandes Bio Austria, und Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing.

Aktuell gibt es rund 23.500 Biobetriebe (21,3% aller Bauernhöfe) im Land, die zusammen ein Viertel der agrarisch genutzten Fläche Österreichs bewirtschaften. Der Flächenzuwachs betrug 2018 knapp 17.000 ha. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Salzburg mit 58,5% Biofläche, gefolgt vom Burgenland (33,8%, +7,9% gegenüber 2017), Wien (32,3%, +9,4%) und Niederösterreich (21,5%, +4,7%). Die meisten Biobetriebe gibt es ebenfalls in Salzburg (48%), vor Wien (27%) und dem Burgenland (24%). Die höchsten Zuwächse von 2017 auf 2018 verzeichnete die Bundeshauptstadt mit 14%, vor dem Burgenland (+5%) und Niederösterreich (3%).

Im Inland in der Gastronomie forcieren - Im Export wird Differenzierung immer wichtiger

Ebenso werfen die aktuellen Zahlen von Eurostat zur Biolandwirtschaft in der EU ein positives Schlaglicht auf Österreich, das 5% der ökologisch bewirtschafteten Fläche der Union aufweist und damit Spitzenreiter unter den Mitgliedstaaten ist. Allerdings weiten viele von ihnen ihre Bioproduktion ebenfalls aus - +25% Flächensteigerung in der EU von 2012 bis 2017 -, zudem befinden sich noch große Flächenanteile in der Umstellungsphase. "Das wird Auswirkungen auf den österreichischen Biomarkt haben", weiß Grabmann und sieht vor allem in der Gastronomie noch "viel Luft nach oben", denn dieser Sektor verwerte weniger Bio als Privathaushalte. Was die Außer-Haus-Verpflegung betrifft, sieht sie Bund und Länder in der Pflicht, in der Gastronomie hingegen sei eine "aktive Nachfrage" der Gäste notwendig, um den Anteil zu erhöhen. Die Kampagne der Landwirtschaftskammern zur Herkunftskennzeichnung für österreichische Lebensmittel sei ebenfalls eine Möglichkeit, Bio zu forcieren.

Im Export, wohin etwa 50% der Biolebensmittel aus Österreich gehen, sei die Erschließung neuer Märkte wichtig, so die Obfrau. Neue Hoffnungsmärkte sind Japan und die Golfregion. Hier wird der Verband heuer bei Lebensmittelmessen in Tokio und Dubai vertreten sein. "Die große Konkurrenz aus anderen Ländern macht eine Differenzierung über die Qualität immer bedeutsamer", merkte Grabmann an. "Privatrechtliche Standards, wie unsere Bio Austria-Auflagen, liegen über den gesetzlichen Vorgaben der EU-Bio-Verordnung. Damit heben sich die Produkte der österreichischen Biobäuerinnen und -bauern qualitätsmäßig von anderen ab. Darauf müssen wir bei der Vermarktung setzen", unterstrich die Obfrau.

9% Bioanteil im Lebensmitteleinzelhandel (LEH)

Dass Biolebensmittel ungebrochen hoch in der Gunst der österreichischen Verbraucher stehen, beweisen die Zahlen der RollAMA, wonach knapp 9% der Frischeprodukte im LEH in Bioqualität gekauft werden. Österreich wird damit innerhalb Europas nur von Bio-Großnationen wie Dänemark und Schweden sowie der Schweiz übertroffen, informiert Michael Blass. 2018 stieg die Menge der abgesetzten Biolebensmittel um 7,4%, ihr Wert um 6,7%. In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Umsatz dieser Waren um 50% erhöht. "Damit wächst der Biomarkt stärker als jener für konventionelle Produkte (+10,4%)", so Blass.

Fast jeder österreichische Bürger greift mindestens einmal pro Jahr zu ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln - sowohl die Häufigkeit als auch die Menge steigen kontinuierlich. Pro Haushalt werden 148 Euro im Jahr dafür ausgegeben. Die umsatzstärksten Warengruppen sind ESL-Milch und Eier, an dritter Stelle steht Schnittkäse. Bei den Top-Sortimenten konnten von 2017 auf 2018 fast alle wertmäßig zulegen. Bei Frischmilch ist nun ein Rückgang zugunsten der länger frischen ESL-Milch festzustellen. Unterdurchschnittlich fällt der Anteil weiterhin bei Fleisch und Fleischwaren aus. "Hier ist Wachstumspotenzial vorhanden", meint der AMA-Geschäftsführer. Allerdings sei eine Trendumkehr schwierig zu bewerkstelligen.

Wichtigste Einkaufsquelle für Biolebensmittel in Österreich ist der klassische LEH, wo jedes zweite ökologische Produkt erworben wird. Diskonter und bäuerliche Direktvermarkter reihen sich dahinter.

Jeder Zweite kennt das AMA-Biosiegel

Eine positive Entwicklung ist laut Blass auch beim Bekanntheitsgrad der offiziellen Biozeichen zu verzeichnen. Das EU-Bio-Logo, das auf jedem verpackten ökologischen Lebensmittel innerhalb der EU angebracht sein muss, kennt ein Drittel der Befragten, das AMA-Biosiegel jeder zweite. Das AMA-Biosiegel ist ein Gütesiegel für biologische Lebensmittel. Es kann zusätzlich zum EU-Bio-Logo angebracht sein, wenn bei der Produktion freiwillig höhere Qualitätsstandards eingehalten werden als laut EU-Bioverordnung gefordert. Darüber hinaus garantiert das rot-weiß-rote AMA-Biosiegel mit der Herkunftsangabe "AUSTRIA" den Ursprung der Rohstoffe aus sowie ihre Be- und Verarbeitung in Österreich.

Österreichische Biolebensmittel wegen Natürlichkeit und Qualität im Ausland geschätzt

Wertschätzung erfahren biologische Nahrungsmittel von österreichischen Erzeugern nicht nur am Heimmarkt, sondern ebenso im Export, wo sie laut Barbara Köcher-Schultz, Bioexpertin bei der AMA Marketing, "mit besonderer Natürlichkeit und hoher Qualität verbunden werden". Österreich exportiert eine breite Palette an ökologisch erzeugten Lebensmitteln, darunter Milchwaren, Käse, Schweine- und Rindfleisch, aber ebenso Obst, Gemüse, Eier und Getreide. Die Nachfrage nach Wein, Säften und Ölen in Bioqualität wächst ebenfalls. "Der Export ist ein wichtiges Standbein, zumal die großen Bioabsatzmärkte in Europa stark wachsen. So erzielen diese Produkte in Deutschland einen Umsatz von mehr als 10 Mrd. Euro, in Frankreich fast 8 Mrd. Euro", informierte Köcher-Schulz.

Daher sei für rot-weiß-rote Produzenten eine starke Präsenz bei der BIOFACH so wichtig. Insgesamt werden dort heuer 2.900 Aussteller ihre Erzeugnisse den erwarteten 50.000 Fachbesuchern präsentieren und damit die Trends der kommenden Jahre abbilden. Österreich als eines der Topländer unter den Ausstellern wird mit 119 Erzeugern vertreten sein. "Mit Bio haben wir die Spitze dieser Positionierung erreicht, dafür wird Österreich weltweit sehr geschätzt", weiß die Expertin. "Auch Russland, das künftig verstärkt in die ökologische Landwirtschaft einsteigen will, nimmt sich Österreich zum Vorbild für die positive Entwicklung des Biosektors." (Schluss) wol

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