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14.02.2020

Bio weiterhin auf Wachstumskurs

5% Flächenzuwachs 2019 in Österreich - Biofach-Messe in Nürnberg noch bis 15. Februar

Nürnberg, 14. Februar 2020 (aiz.info). - Bio ist ein weltweiter Wachstumsmarkt. Auch in Europa beziehungsweise der EU sowie in Österreich zeigen die Zahlen der Biomarkt und -flächenentwicklung in den vergangenen Jahren nach oben, wie heute Helga Willer, Leiterin der Kommunikationsgruppe beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz, Gertraud Grabmann, Obfrau von Bio Austria, und Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, bei einer Pressekonferenz anlässlich der Biofach, der Weltleitmesse für Bioprodukte in Nürnberg, darlegten. Insgesamt präsentieren 138 Aussteller aus Österreich ihre Produkte und Innovationen dem interessierten Fachpublikum.

Die Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ländliche Regionen und Tourismus (BMLRT) für 2019 zeigen, dass derzeit in Österreich 24.235 beziehungsweise 22,2% aller landwirtschaftlichen Betriebe nach den Kriterien des Bio-Landbaus arbeiten. Demnach bewirtschaften die heimischen Biobäuerinnen und -bauern insgesamt 668.725 ha, das entspricht einem Anteil von derzeit 26% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche und einem Zuwachs von etwa 31.000 ha, was eine Steigerung um zirka 5% bedeutet.

Bundesländer-Anteile: Größte Zuwächse in Niederösterreich und Burgenland

Bei den Bundesländern hat flächenmäßig weiterhin Salzburg die Nase vorn. Hier wird mit einem Anteil von 58% bereits der größere Teil der Fläche biologisch bewirtschaftet. Das Burgenland kommt auf 36,4% und verzeichnet damit einen Zuwachs von etwa 8%. Wien hat aktuell eine Biofläche von 33,5%, hier ist von 2018 auf 2019 ein Plus von 4% zu verzeichnen. Niederösterreich kommt mit einer Steigerung um 13% auf nunmehr 24,4% biologisch bewirtschaftete Fläche. 2019 sind insgesamt 758 Biobetriebe neu hinzugekommen. Den höchsten Anteil an Biobetrieben gibt es mit 48% ebenfalls in Salzburg, gefolgt von Wien mit 27,3% und dem Burgenland mit 25,7%. Bei den Betrieben gab es 2019 die höchsten Zuwächse in Niederösterreich mit 8% und im Burgenland mit rund 6%.

LEH-Marktentwicklung: 7% wertmäßiger Zuwachs

Bei Betrachtung des österreichischen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) wurden im Jahr 2019 biologische Lebensmittel (ohne Brot und Gebäck) im Wert von 580 Mio. Euro gekauft, das sind um 7,1% mehr gegenüber 2018 und bedeutet jährliche Ausgaben von 158 Euro pro Haushalt für Bioprodukte. Jeder Österreicher kauft mindestens einmal im Jahr ein biologisches Lebensmittel, die Käuferreichweite liegt laut RollAMA-Zahlen bei 96,7%.

Der Bioanteil über alle RollAMA-Warengruppen hinweg beträgt 8,9%. Damit liegt Österreich auf Platz vier im europäischen Ranking - hinter Dänemark, der Schweiz und Schweden. Den höchsten Bioanteil im LEH verzeichnen die Sortimente Milch, Joghurt und Eier, gefolgt von Erdäpfeln und Gemüse. Ebenfalls über dem Durchschnitt liegt der Bioanteil bei Butter, Obst und Käse. Unterdurchschnittlich fällt er bei Fleisch und Geflügel sowie bei Wurst und Schinken aus. Wichtigster Exportmarkt für österreichische Lebensmittel ist Deutschland, das gilt auch für Bioprodukte.

Blass: Bio-Lebensmittel sind fixe Größe

"Heimische Bio-Lebensmittel sind eine fixe Größe in der Vermarktung und im Export geworden. Es sind Natürlichkeit, intakte Umwelt, sauberes Wasser oder die landschaftlichen Kulissen, die beim Erwerb und Export von Bioprodukten mitgedacht werden. Mit diesen Attributen punkten wir vor allem in Deutschland, aber auch weltweit sowie auf dem Heimmarkt", führte Blass aus. Maßnahmen wie Schulungen für Thekenkräfte, Verkostungen am Point-of-Sale oder Auftritte bei Genuss-Messen werden auch in Zukunft im Zentrum der Bewusstseinsbildung in den Exportaktivitäten der AMA liegen, kündigte Blass an. So werden 2020 die AMA und heimische Produzenten erstmals auf der "Organic Food Iberia" in Spanien vertreten sein. "Spanien ist einer der am kompetitiv stärksten wachsenden Märkte für Bio-Lebensmittel", so Blass, der die Entwicklung mit aufkommendem Optimismus auf der iberischen Halbinsel begründete und einem damit einhergehenden zunehmenden Umweltbewusstsein.

Grabmann: Neue Absatzkanäle suchen

Die steigende Produktion von Bioerzeugnissen in anderen Ländern, etwa der EU, bleibt auch in Österreich nicht ohne Auswirkungen. Besonders im Milchsektor, für den Deutschland der größte Absatzmarkt ist, habe man hierzulande aktuelle, nach unten deutende Entwicklungen bemerkt, wie Grabmann mitteilte. "In Deutschland hat sich der Bio-Milchmarkt sehr gut entwickelt. Deshalb werden für Österreich neue Absatzkanäle und Produktgestaltungen notwendig." Auch bei heimischem Biogetreide sei das Angebot größer als die Nachfrage. Abhilfe sieht Grabmann in der Bio-Sortimentsweiterentwicklung im LEH sowie in der Erschließung neuer Exportmärkte. Vielversprechend seien etwa Länder in der Golfregion, dazu sei eine Messebeteiligung in Dubai geplant, aber auch Japan. "Dabei handelt es sich um Märkte, die sich langfristig nicht selbst mit Bio-Lebensmitteln versorgen können", so Grabmann, die sich auch einen kontinuierlichen Einstieg während der gesamten Förderperiode für die Landwirte in den Bio-Landbau wünscht, um Angebotsspitzen künftig abzuflachen.

"Dieser kontinuierliche Einstieg ist im aktuellen Regierungsprogramm festgeschrieben", so die Obfrau von Bio Austria. Auch ein Maßnahmenbündel für die ambitionierte Weiterentwicklung des nationalen Bio-Aktionsplans und eine Forschungsoffensive im Bereich Bio-Landwirtschaft seien darin enthalten, ebenso wie deutliche Steigerung des Bioanteils in der öffentlichen Verpflegung. Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen in Bundeszuständigkeit sollen demnach einen Bioanteil von 30% bis 2025 und von 55% bis 2030 erreichen.

Weltweiter Biomarkt beläuft sich auf rund 97 Mrd. Euro

Weltweit hat sich der globale Markt für Bioprodukte 2018 auf über 100 Mrd. USD (97 Mrd. Euro) belaufen. Die größten Märkte sind die Vereinigten Staaten (40,6 Mrd. Euro), gefolgt von Deutschland (10,9 Mrd. Euro) und Frankreich (9,1 Mrd. Euro). 2018 verzeichneten wichtige Märkte ein zweistelliges Wachstum; so wuchs der französische Biomarkt um 15%. Am meisten gaben Dänen und Schweizer 2018 für Bio-Lebensmittel aus (312 Euro pro Kopf). Den höchsten Biomarktanteil wies Dänemark auf (11,5%). Insgesamt gab es 2018 rund 2,8 Mio. Bioproduzenten weltweit. Die Länder mit den meisten Erzeugern waren Indien (1,149.000), Uganda (210.000) und Äthiopien (204.000). Die Länder mit dem höchsten Bioanteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche sind Liechtenstein (38,5%), Samoa (34,5%) und Österreich (24,7%). In 16 Ländern werden mindestens 10% der Agrarfläche biologisch bewirtschaftet, teilte Willer mit.

In Europa wurden 2018 rund 15,6 Mio. ha biologisch bewirtschaftet (Europäische Union: 13,8 Mio. ha). Mit 2,2 Mio. ha ist Spanien nach wie vor das Land mit der größten Biofläche in Europa, gefolgt von Frankreich (2,0 Mio. ha) und Italien (2,0 Mio. ha). Die Biofläche nahm in Europa um 1,25 Mio. ha und in der EU um 1 Mio. ha zu, was einer Steigerung von 8,7% in Europa und 7,6% in der EU entspricht. Im Jahr 2018 kamen in Frankreich mehr als 290.000 ha Biofläche hinzu und in Spanien mehr als 160.000 ha, führte Willer weiter aus.

Die Biofläche macht in Europa 3,1% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche und in der EU 7,7% aus. In Europa und weltweit weist Liechtenstein mit 38,5% den höchsten Bioanteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf, gefolgt von Österreich, dem Land in der EU mit dem höchsten Bioanteil (24,7%). Zehn europäische Länder gaben an, dass mindestens 10% ihrer Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet werden. Vor allem Estland, Schweden und Italien würden laut Willer hier stark aufholen. (Schluss) hub - APA OTS 2020-02-14/10:44

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