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13.01.2021

BRD: Kritik an Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie

Treibhausgasminderung durch nachhaltige Biokraftstoffe zu wenig berücksichtigt

Berlin, 13. Jänner 2021 (aiz.info). - Die staatliche Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED II) in Deutschland wird vom 18. bis 22. Jänner im Mittelpunkt des 18. Internationalen Fachkongresses für erneuerbare Mobilität stehen, der unter dem Titel "Kraftstoffe der Zukunft 2021" veranstaltet wird. Üblicherweise wird dieser Kongress am Rande der Grünen Woche in Berlin abgehalten, aufgrund der Corona-Situation wird er - ebenso wie die Internationale Landwirtschaftsmesse - digital abgehalten. So wie auch in den anderen Mitgliedstaaten muss auch Deutschland die EU-Richtlinie bis Juni 2021 in nationales Recht umsetzen. Kurz vor Jahresende hat das Umweltministerium in Berlin einen Entwurf zur Umsetzung vorgelegt. "Wir sehen das als richtigen Schritt in die richtige Richtung, es ist aber zu wenig", sagte Artur Auernhammer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Bioenergie, heute bei einer Pressekonferenz zum kommenden Fachkongress.

THG-Quote stufenweise in gleichmäßigen Schritten anheben

Sein Verband sehe inhaltlichen Korrekturbedarf bei dem Ministeriumsentwurf, sagte Auernhammer. Die stufenweise Erhöhung der Treibhausgas(THG)-Minderungsquote auf 22% im Jahr 2030 sei zwar gut, die beschleunigte Steigerung setze aber erst ab 2026 ein. Heute liegt sie bei 6%, 2024 soll ein Zwischenziel von 8% erreicht werden. Herkömmliche Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse und auch solche aus Abfällen und Reststoffen seien deshalb in den nächsten fünf Jahren stark gefährdet, weil die Gefahr bestehe, dass sie durch Mehrfachanrechnungen für andere Erfüllungsoptionen - etwa Ladestrom oder Wasserstoff - aus der Quote und damit aus dem Markt gedrängt werden, so Auernhammer. Der Bundesverband fordert eine stufenweise Anhebung in gleichmäßigen Schritten auf 22% im Jahr 2030. Zusätzlich müsse alle zwei Jahre eine Revision eingeführt werden.

"Auch die Kappungsgrenze für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse kann nicht überzeugen", sagte Auernhammer. Sie soll bis 2030 bei 4,4% liegen. "Die europäischen Vorgaben erlauben eine sehr viel höhere Obergrenze, welche die Rolle der Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse als heute wichtigste Klimaschutzkomponente im Verkehrssektor anerkennt und die weitere Bereitstellung heimischer Futtermittel als Koppelprodukt der Biokraftstoffproduktion sichert", so der Vorstandsvorsitzende. Zudem solle nicht, wie vorgesehen, E-Mobilität dreifach auf die Quote angerechnet werden können: "Das lehnen wir ab, weil dadurch mit Rechentricks die Aussagekraft der Quote gemindert wird." Alles müsse an der Erfüllung der Treibhausgasquoten gemessen werden, so Auernhammer, "denn wir haben große Herausforderungen vor uns".

Stephan Arens, Geschäftsführer der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP), wies darauf hin, dass eine intensive Debatte im Bundestag bevorstehe. "Die THG-Quote ist ein wichtiges Signal, aber nicht das Ende unserer Wünsche", sagte er.

Genug Gülle vorhanden

Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, kritisierte, dass die vorgegebenen Zahlen zu niedrig seien: "Wir können den Bedarf allein über Gülle abdecken", sagte er. Auch Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) sagte: "Wir müssen erst verbrauchen, was schon jetzt gestaut ist." Es existierten erhebliche Mengen an Gülle, diese könnte aus Umweltschutzgründen vergoren werden. Auch Stroh könnte zum Klimaschutz beitragen. Bei den fortschrittlichen Biokraftstoffen im Schwerverkehr, aber auch in der Landwirtschaft, im Flug- und Schiffsverkehr erachteten die Experten die politische Diskussion als noch zu wenig weit fortgeschritten. "Es wäre gut, wenn wir an die großen Töpfe rangehen, denn da können wir auch nicht mit e-Mobilität etwas erreichen", sagte Auernhammer.

Elektromobilität - Mehrfachanrechnungen abgelehnt

Baumann bezog sich auch auf das von den deutschen Ministerien entworfene Schichtenmodell, als er von "unsinnigen Mehranrechnungen" sprach: "6 Mio. e-Fahrzeuge bis 2030 - das ist eher konservativ gerechnet", sagte er. "Wenn es mehr wird, dann wird sich die e-Mobilität in die unteren Schichten hineinfressen. Das ist unglücklich, denn der Markt gibt viel mehr her." Es bestehe die Gefahr, dass die Quote rasch "aufgefressen wird".

Es gebe einen Vorschlag für eine automatische Anhebung der THG-Quote, wenn die e-Mobilität weiter zunehme, sagte Baumann. Mit Biomethan betriebene Schwerfahrzeuge bezeichnete er als "tatsächliche Kandidaten für fortschrittliche Biokraftstoffe". Seide verlangte im Namen des Fachverbandes Biogas eine neuerliche Diskussion des Entwurfs zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): Ohne entsprechende Veränderungen habe Methan keinen Zugang in diesem Bereich mehr, warnte er.

Rapsöl statt Palmöl verstärkt nutzen

Bei den Unterquoten oder der THG-Quote müsse nachgesteuert werden, verlangte Arens für die UFOP. "Wir sehen einen sehr großen Markt für Rapsöl", betonte er. Es bestehe die Möglichkeit, diesen Rohstoff in geschlossenen Lkw-Flotten einzusetzen. Biodiesel aus Palmöl soll nach dem Entwurf der Bundesregierung bereits im Jahr 2026 - statt wie von der EU vorgesehen erst in 2030 - im deutschen Markt keine Rolle mehr spielen. Der Beitrag dieses Rohstoffs könne durch nachhaltig erzeugte Mengen von heimischem Biodiesel aus Raps oder Bioethanol problemlos ersetzt werden, so die Experten.

Gefahr wegen Umgehung von Abgaben durch Lkw

Arens sieht eine große Gefahr auf dem Lkw-Markt durch größere Tanks und sparsamere Fahrzeuge: "Das schafft die Gefahr, dass in Polen getankt wird und das nächste Mal erst wieder in Luxemburg und so die CO2-Bepreisung vermieden wird. Die Spediteure stehen im Kostenwettbewerb. Für Spielereien ist dort kein Platz."

Die Landwirtschaft sei ein Bereich, wo Biokraftstoffe eine wichtige Rolle spielen können und müssen, darin waren sich die Experten einig. Seide sah auch keine Konkurrenz zwischen den einzelnen Möglichkeiten: "In der Landwirtschaft haben wir 96% Diesel und 4% Biodiesel. Wir brauchen Optionen, dass wir mit unseren Maschinen auf Öko umstellen", sagte er. Es sei vorstellbar, dass kleinere elektrisch betrieben würden und größere mit CNG und LNG (komprimiertes beziehungsweise verflüssigtes Methan). Dies gelte auch für den Schwerlastverkehr: "Höhere Beimischungen lassen mehr Einsatz von CNG zu", sagte Baumann. Die Politik müsse dem Bürger den Wechsel schmackhaft machen. Es müsse keinen Wettbewerb geben zwischen den einzelnen Erneuerbaren.

Kritisch sahen die Vertreter der Biokraftstoffe Fördermöglichkeiten für e-Mobilität, die nicht berücksichtigen, woher die Rohstoffe dafür kommen und wie der Strom beschaffen ist. Auernhammer verlangte Technologieoffenheit: "Man muss genauso bei Batterien wie bei Biokraftstoffen nach der Herstellung fragen." Das gemeinsame Ziel sei, den Verbrennungsmotor klimafreundlicher zu machen. Baumann ergänzte: "Power to gas und power to liquid brauchen erneuerbaren Strom zur Herstellung. Bei der Batterie gibt es diese Forderung nicht, auch da müssen Nachhaltigkeitsbedingungen erfüllt werden." Die Politik sollte überlegen, wie sie mit erneuerbarem Strom umgehe, denn dieser habe auch für e-Mobilität seine Grenze. "Es ist eine Illusion zu glauben, es gebe unendlich viel Strom dafür", sagte Baumann. "Wenn man die e-Mobilität wie geplant ausbauen will, muss ein Drittel mehr Windkraftanlagen bereitgestellt werden als bisher. Wie die Reaktion dazu auf den Bürgerveranstaltungen ausfällt, kann ich mir vorstellen", ergänzte Auernhammer. (Schluss) kor