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13.09.2018

BMNT: Neuer Bericht warnt vor gesundheitlichen Risiken des Klimawandels

Mehr Tropennächte, höhere Pollenbelastung, neue invasive Insektenarten

Wien, 13. September 2018 (aiz.info). - Nach dem heißesten Mai seit 1868 war auch der diesjährige Sommer von Rekordtemperaturen geprägt. Dass sich diese veränderten klimatischen Bedingungen auf unsere Gesundheit auswirken, bestätigt jetzt der vom Klima- und Energiefonds (KLIEN) in Auftrag gegebene erste nationale Sachstandsbericht zum Thema Gesundheit, Demographie und Klimawandel, der heute gemeinsam mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) präsentiert wurde. Mehr als 60 österreichische Forscher/-innen sind sich einig: Lösungswege können nur systemübergreifend gedacht und gefunden werden.

Der Sommer 2018 geht in die Geschichte ein: In allen Landeshauptstädten gab es deutlich mehr Hitzetage mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad als in einem durchschnittlichen Sommer, Wien und Bregenz verzeichneten mit 32 beziehungsweise 16 Hitzewellentagen in Folge einen neuen Rekord. In Wien gab es insgesamt 40 Tropennächte und damit mehr als in jedem anderen Sommer seit Messbeginn. "Der Rekordsommer 2018 hat gezeigt: Der Klimawandel ist real und seine Auswirkungen sind deutlich spürbar. Mit der vorliegenden Studie wurden fundierte Fakten geschaffen. Nun brauchen wir konkrete Lösungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Bundesregierung gibt dem Thema Klimaschutz große Bedeutung. Mit der Klima- und Energiestrategie #mission2030 haben wir eine Grundlage geschaffen, von der sich jetzt zahlreiche Maßnahmen und Strategien ableiten, die in die richtige Richtung gehen. Wir müssen außerdem die politikübergreifende Zusammenarbeit auf nationaler und auf europäischer Ebene im Bereich Klimaschutz stärken", unterstreicht Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger.

Hitze, Wetterextreme, Allergien: Klimawandel vor der Haustüre

"Mit dieser Meta-Studie ist Österreich europaweit Vorreiter: Es ist der erste Sachstandsbericht, der systemübergreifende Fakten in dieser Qualität und Tiefe liefert. Er verdeutlicht, dass wir uns in den nächsten Jahren auf vier zentrale Bereiche konzentrieren müssen: Hitze, Allergien, Extremwetterereignisse und neue invasive Insektenarten. KLIEN bereitet seit Jahren das Feld auf: durch Klimafolgenforschung wie ACRP (Austrian Climate Research Program) schaffen wir fundiertes Wissen, die KLAR-Modellregionen erarbeiten regional maßgeschneiderte Lösungen und mit unseren Programmen treiben wir die Energie- und Mobilitätswende konsequent voran", betont Geschäftsführer Ingmar Höbarth.

Laut dem Special Report des Austrian Panel on Climate Change (APCC) wird sich die Zahl der Hitzetage bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln und trifft gleichzeitig auf eine ältere Gesellschaft, die einen um 10% höheren Anteil an Personen über 65 Jahren aufweist. Aufgrund der wachsenden Zahl an Tropennächten führen all diese Entwicklungen, insbesondere in dicht verbauten Gebieten, zu stark erhöhten gesundheitlichen Risiken.

Im Zuge des Klimawandels rechnen die Forscher außerdem mit einer erhöhten Pollenbelastung insbesondere durch Ragweed (Traubenkraut, Ambrosia). Bereits heute sind rund 1,75 Mio. (20%) der Bürger von allergischen Erkrankungen betroffen. Folgt Österreich dem europäischen Trend, könnten sich diese Zahlen in einem Jahrzehnt auf 50% steigern. Auch finden künftig subtropische und tropische Stechmücken-Arten (z. B. Tiger- und Buschmücke) hierzulande bessere Überlebensbedingungen vor und erfordern eine Überwachung der Ausbreitung sowie der Erkrankungen. Nicht zuletzt werden im Zuge des Klimawandels extreme Niederschläge, länger andauernde Trockenheit oder heftigere Stürme erwartet, was nicht nur hohe wirtschaftliche Kosten etwa durch Hochwasserschäden oder Ernteausfälle verursacht, sondern auch lokale Auswirkungen auf die heimische Wasserqualität und -verfügbarkeit hat.

Jeder und jede Einzelne kann gesünder leben und dabei das Klima schützen

Um die Transformation unseres Gesamtsystems im Hinblick auf den Klimawandel gezielt voranzutreiben und die größtmögliche Wirkung zu erzielen, ist es den Forschern zufolge notwendig, Klima und Gesundheit nicht getrennt voneinander, sondern systemübergreifend zu betrachten. "Sobald wir die Auswirkungen des Klimawandels auf alle unsere Lebensbereiche erkennen, kann es gelingen, passende Maßnahmen sowohl auf politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene zu identifizieren als auch deutlich zu machen, wie jeder Einzelne bei einem klimatauglichen Leben unterstützt werden kann", erklärt Willi Haas vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien und zentraler Studienautor. Der Special Report hat entsprechend den Qualitätsstandards des APCC einen mehrstufigen Review-Prozess mit 30 Reviewern und über 2.000 Kommentaren durchlaufen, der vom CCCA (Climate Change Centre Austria) organisiert wurde.

Neben dem Abschwächen der Klimafolgen für die Gesundheit kann auch gezielt die Verletzlichkeit der Bevölkerung reduziert werden, indem die klimaspezifische Kompetenz von Gesundheitspersonal und Bevölkerung gestärkt wird. Die Förderung von sozial schwächeren Gruppen, insbesondere die Angleichung der Unterschiede zwischen Stadt und Land, kann zudem dazu beitragen, das Anwachsen der gesundheitlichen Ungleichheit durch Klimafolgen zu verhindern. Ziel muss es sein, die nötigen Bildungsangebote bereitzustellen, um es für alle Bevölkerungsschichten zu ermöglichen, sich über gesunde Lebensweisen zu informieren.

Verhaltensänderungen, etwa in den Bereichen Ernährung oder Mobilität, wirken sich sowohl positiv auf das Klima als auch auf die Gesundheit aus. Eine gesündere Ernährung mit saisonalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln leistet auch einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Der Umstieg auf Elektromobilität ist ein notwendiger Baustein, zusätzlich bietet es sich gerade in Städten an, auf öffentliche Verkehrsmittel und aktive Mobilität zu setzen: Per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein, reduziert nicht nur Emissionen, sondern führt vor allem zu mehr gesundheitsförderlicher Bewegung im Alltag. (Schluss)