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10.10.2018

Agrar- und Lebensmittelexporte erstmals über 11 Mrd. Euro

"Made in Austria" schmeckt in mehr als 180 Ländern der Welt

Wien, 10. Oktober 2018 (aiz.info). - Die österreichischen Exporte von Agrarprodukten und Lebensmitteln (Zollkapitel 1 bis 24) konnten im Jahr 2017 erstmals die Marke von 11 Mrd. Euro übertreffen. Betrachtet man die 24 Zollkapitel im Detail, so zeigt sich überall eine positive Grundtendenz. Rund 40% der gesamten Exporte in diesem Sektor entfallen auf agrarische Erzeugnisse. 60% sind Waren der Lebensmittelindustrie (Zollkapitel 16 bis 24), bei denen sich daraus für 2017 ein Exportwert von 6,7 Mrd. Euro errechnet. "Das ist neuerlich ein sehr gutes Ergebnis, das zeigt, dass österreichische Lebensmittel und Getränke mit Qualität, Sicherheit und Genuss weltweit punkten können", betonte heute Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie zählen mit ihren Exportleistungen zu Österreichs "Hidden Champions". Seit dem EU-Beitritt konnten die gesamten österreichischen Agrar- und Lebensmittelexporte sogar um mehr als 500% gesteigert werden, jene von Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie allein um fast 600% (von 959 Mio. Euro auf 6,7 Mrd. Euro). Zum Vergleich: Die gesamte Wirtschaft Österreichs konnte in diesem Zeitraum ihre Exporte nur um 237% erhöhen. "Somit zählen die Unternehmen der österreichischen Lebensmittelwirtschaft zu den erfolgreichsten Branchen im Export. Sie sind Wachstumstreiber und Jobgaranten, denn die Exportleistungen der Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Zwei von drei in Österreich produzierten Lebensmitteln und Getränken werden bereits auf über 180 Märkten quer über den Globus verkauft", berichtete Koßdorff.

Inlandsmarkt zunehmend schwierig

Die Unternehmen der österreichischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft müssen sich seit Jahren in einem schwierigen Umfeld behaupten. Den Kampf um Marktanteile im heimischen Lebensmitteleinzelhandel, der primär über Rabatte und Aktionen geführt wird, bekommen die Lieferanten deutlich zu spüren. Der Konzentrationsprozess im heimischen Einzelhandel hält weiterhin an. Auf die drei größten Handelsunternehmen entfällt bereits ein Marktanteil von mehr als 87%. Der intensive Wettbewerb auf nationaler und internationaler Ebene inklusive Währungsrisiken im Export übt einen weiteren Ertragsdruck auf viele Unternehmen aus. Zusätzlich bedeuten volatile Rohstoffkosten große Herausforderungen für die Branche. "Klimawandel und Wetterkapriolen, internationale Mengen- und Preisschwankungen geben Anlass zur Sorge. Die Frage der Rohstoffverfügbarkeit beschäftigt die Unternehmen - gerade im Hinblick auf die aktuellen Herkunftsdebatte - ebenfalls", wie Koßdorff feststellte.

Handel innerhalb der EU im ersten Halbjahr 2018 weiter ausgebaut

Im ersten Halbjahr 2018 konnten die gesamten Agrarexporte Österreichs um 4,8% zulegen und erreichten mit 5,8 Mrd. Euro einen neuen Höchstwert. "Traditionell steht dabei der Handel mit unserem Nachbarn Deutschland an der Spitze der Exportstatistik. Im Vergleich der Halbjahre 2017 und 2018 konnte eine Steigerung des Exportwertes um 6% auf knapp über 2 Mrd. Euro erzielt werden. Auf dem zweiten Platz liegt Italien mit 609 Mio. Euro (-5%), während Frankreich um 5,6% auf 137 Mio. Euro zulegen konnte", berichtete Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing.

Die Exportleistung der Erzeugnisse der österreichischen Lebensmittelindustrie auf dem EU-Markt stieg im ersten Halbjahr 2018 um 8%. Der deutsche Markt wuchs gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 8% auf knapp 1,2 Mrd. Euro. Die Lieferungen in Länder außerhalb der EU entwickelten sich mit + 2,1% unterdurchschnittlich und erreichten ein Volumen von knapp 1,1 Mrd. Euro.

Chancen beim Agrarhandel mit Drittstaaten nutzen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat kürzlich auf die Gefahr hingewiesen, dass die positive Entwicklung der Weltwirtschaft durch Handelseinschränkungen wie Zölle behindert wird. "Gut ausverhandelte und tragfähige Handelsabkommen wie CETA oder jenes mit Japan sind daher für eine funktionierende Außenwirtschaft wichtig", so Koßdorff. Die aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr 2018 zeigen, dass die Agrarexporte in die USA um 5,6% auf 472 Mio. Euro zulegen konnten. Rückgänge im Agrarexport waren mit Kanada (-11,8%) und Japan (-5,6%) zu verzeichnen, was die Bedeutung der intensiven Bearbeitung dieser sehr kaufkräftigen Märkte belegt. Wichtige Zukunftsmärkte sind auch die Länder in Ostasien wie China, Japan und Südkorea sowie Indien. Aber auch die nahen Märkte wie der Westbalkan (Serbien) und die Schweiz haben eine große Bedeutung.

Unterstützung durch die Bundesregierung wichtig

"Die heimische Agrar- und Lebensmittelwirtschaft begrüßt jede Initiative Österreichs beziehungsweise der EU, die Chancen für unsere Hersteller auf den Märkten rund um den Globus zu verbessern und setzt sich im Rahmen künftiger Verhandlungen mit Drittstaaten klar für einen sachlichen Diskurs und für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes ein. Wir wünschen uns von der Bundesregierung, dass sie weiterhin alle Anstrengungen unternimmt, den Exportmotor auf Touren zu halten. Dazu zählen Unterstützungen der Exportaktivitäten heimischer Hersteller auf politischer, diplomatischer sowie auf fachlich-administrativer Ebene", stellten Blass und Koßdorff unisono fest. Die Exportinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, die Internationalisierungs-Offensive des Wirtschaftsministeriums sowie die Bemühungen der Außenwirtschaftsorganisation der WKO müssten weiter gestärkt und für die Zukunft ausgebaut werden.

Aktuelle Brexit-Verhandlungen bereiten Sorgen

Großbritannien zählt zu den wichtigsten Exportmärkten für die österreichische Agrar- und Lebensmittelwirtschaft und ist innerhalb der EU nach Deutschland, Italien und Ungarn der viertgrößte Absatzmarkt für die heimische Nahrungsmittelindustrie. Das Exportvolumen lag im ersten Halbjahr 2018 bei 90 Mio. Euro. "Die aktuelle Situation verunsichert viele EU-Exporteure und Kunden in Großbritannien. Unsere Branche erwartet sich daher, dass Großbritannien auch nach dem Brexit ein attraktiver Absatzmarkt bleibt. Eine wichtige Zielsetzung ist für uns, dass nach klaren Übergangsregelungen nicht-tarifäre Handelshemmnisse vermieden und bei vielen Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie der zollfreie Marktzugang nach Großbritannien weiterhin bestehen bleibt", erklärte Koßdorff.

Österreich auf der SIAL

Vom 21. bis 25. Oktober 2018 findet in Paris die SIAL, die internationale Fachmesse für Ernährung, statt. Die SIAL ist - gemeinsam mit der ANUGA in Köln - die bedeutendste Veranstaltung für die internationale Lebensmittelwirtschaft. Die Außenwirtschaft Austria (WKÖ) organisiert gemeinsam mit dem österreichischen AußenwirtschaftsCenter Paris im Rahmen der Initiative "go-international" (einer Förderinitiative des Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftskammer) den "Österreich-Auftritt" auf dieser Leitmesse.

"Die SIAL ist eine gute Gelegenheit, Österreichs Topprodukte und -produzenten vor den Vorhang zu bitten. Wir wollen die herausragende Qualität heimischer Lebensmittel als Türöffner für eine weitere Ankurbelung des Exportes nutzen", betonte Blass. Von der SIAL erwarten sich die heimischen Aussteller neben einer Vielzahl an Kundenkontakten weitere Impulse für die immer wichtiger werdenden Exportmärkte. Sie sind zuversichtlich, dass der Appetit der Kunden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Qualität und Genuss "Made in Austria" weiter zunehmen wird.

Alpenrepublik auch auf Australiens wichtigster Fachmesse vertreten

Trotz der gewaltigen Entfernung von mehr als 20 Flugstunden erfreuen sich österreichische Produkte auch am fünften Kontinent wachsender Beliebtheit. Aufgrund des liberalen Importregimes, der geringen Zollsätze sowie der hohen Kaufkraft bestehen für international aktive österreichische Unternehmen ausgezeichnete Chancen in Australien. Der bilaterale Handel mit der Alpenrepublik hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt - die Nahrungsmittelexporte nach Australien sind stetig angewachsen und betrugen 2017 insgesamt mehr als 84 Mio. Euro.

Vor diesem Hintergrund organisierte die Außenwirtschaftsorganisation der WKÖ gemeinsam mit dem österreichischen AußenwirtschaftsCenter Sydney anlässlich der "Fine Food Australia" Mitte September bereits zum neunten Mal einen Österreich-Stand mit 10 Ausstellern. Diese Fachmesse findet jährlich abwechselnd in Sydney und Melbourne statt und ist mit über 1.000 Ausstellern aus 40 Nationen die wichtigste internationale Veranstaltung für die Lebensmittelwirtschaft in Australien. (Schluss)

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