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13.05.2022

Agrana-Jahresbilanz 2021/22 von Ukraine-Krieg belastet

Konzernergebnis rutscht auf -12,2 Mio. Euro aufgrund von Sonderabschreibungen ab

Wien, 13. Mai 2022 (aiz.info). - Sonderabschreibungen im Ausmaß von rund 70 Mio. Euro wegen des Ukraine-Krieges haben der Agrana-Gruppe ein negatives Konzernergebnis von 12,2 Mio. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 gegenüber +55 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2020/21 beschert. "Bis zum Kriegsausbruch waren wir für die Erreichung unserer Ziele voll auf Kurs und hätten ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen unseren prognostizierten deutlichen EBIT-Anstieg erreicht. Denn operativ verlief das Geschäftsjahr 2021/22 sehr zufriedenstellend. Im Segment Frucht hat eine gute Apfelverarbeitungskampagne 2021 zu einer Erholung des Fruchtsaftkonzentratgeschäftes geführt, und im Segment Stärke waren historisch hohe Ethanolnotierungen der Hauptgrund für eine vor allem im zweiten Halbjahr 2021/22 sehr starke EBIT-Entwicklung. Im Segment Zucker gab es durch eine erhöhte Rübenmenge eine verbesserte Auslastung der Fabriken", erklärte Agrana-Vorstandsvorsitzender Markus Mühleisen heute, Freitag, bei der Präsentation der Jahresbilanz 2021/22.

Im Detail lagen die Umsatzerlöse der Agrana-Gruppe im Geschäftsjahr 2021/22 mit 2.901,5 Mio. Euro um 13,9% über dem Wert des Vorjahres. Das operative Ergebnis stieg um 18,3% auf 86,5 Mio. Euro an. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) betrug 2021/22 24,7 Mio. Euro und lag damit sehr deutlich unter dem Vorjahreswert von 78,7 Mio. Euro. Der EBIT-Rückgang ist auf das Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von -69,8 Mio. Euro (Vorjahr: -11,9 Mio. Euro), primär bedingt durch Wertberichtigungen in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, zurückzuführen.

Das Finanzergebnis betrug im Geschäftsjahr 2021/22 -16,1 Mio. Euro (Vorjahr: -18,5 Mio. Euro), wobei die positive Veränderung vor allem aus einem verbesserten Währungsergebnis resultierte. Auch das Zinsergebnis zeigte sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das Ergebnis vor Ertragsteuern fiel von 60,2 Mio. Euro im Vorjahr auf 8,6 Mio. Euro. Nach einem Steueraufwand von 20,9 Mio. Euro, der einer Steuerquote von 241,7% (Vorjahr: 8,7%) entspricht, betrug das Konzernergebnis -12,2 Mio. Euro (Vorjahr: 55,0 Mio. Euro). Das den Aktionären der Agrana zurechenbare Konzernergebnis lag bei -12,6 Mio. Euro (Vorjahr: 59,8 Mio. Euro), das Ergebnis je Aktie (EPS) ging auf -0,20 Euro (Vorjahr: 0,96 Euro) zurück.

Bei einer im Vergleich zum Vorjahr moderat gestiegenen Bilanzsumme zum 28. Februar 2022 von 2,64 Mrd. Euro (28. Februar 2021: 2,47 Mrd. Euro) lag die Eigenkapitalquote bei 48,5% (28. Februar 2021: 53,8%). Die Nettofinanzschulden zum 28. Februar 2022 lagen mit 532,0 Mio. Euro um 88,5 Mio. Euro über dem Wert des Bilanzstichtages 2020/21. Das Gearing zum Stichtag betrug folglich 41,5% (28. Februar 2021: 33,4%).

Segment Frucht

Der Umsatz im Segment Frucht stieg im Vorjahresvergleich moderat um 7,2%. Ausschlaggebend dafür waren gestiegene Verkaufspreise sowohl bei Fruchtzubereitungen als auch bei Fruchtsaftkonzentraten. Das Ergebnis aus Sondereinflüssen, primär aufgrund von Goodwill-Wertberichtigungen infolge des Krieges in der Ukraine, betrug -67,7 Mio. Euro und verminderte das EBIT im Segment Frucht maßgeblich, teilte das Unternehmen mit.

Segment Stärke

In einem von der COVID-19-Pandemie beeinflussten Marktgeschehen stieg der Umsatz im Segment Stärke sehr deutlich auf 1.010,4 Mio. Euro. Größte Umsatztreiber waren laut Agrana angepasste Verkaufspreise im gesamten Produktportfolio. Extrem gestiegene Rohstoff- und Energiekosten, primär im zweiten Halbjahr 2021/22, erforderten die Weitergabe der gestiegenen Herstellungskosten. Diese konnten nur teilweise durch Verkaufspreisanpassungen an die Kunden weitergegeben werden und belasteten die Margen.

Hohe Energiepreise unterstützten wiederum die Ethanolnotierungen, die mit 812 Euro pro m3 im Jahresdurchschnitt laut dem Unternehmen um rund 228 Euro pro m3 über dem Vorjahreswert lagen. Die sehr hohen Ethanolpreise konnten die massiv gestiegenen Produktionskosten überdecken, und der Geschäftsbereich Ethanol trug damit auch entscheidend zur positiven Ergebnisentwicklung des Segmentes bei. Das EBIT im Segment Stärke stieg deutlich um 10,6%.

Segment Zucker

Im Segment Zucker übertraf der Umsatz jenen im Vorjahr um 14,6%. Der Absatz der Zuckerprodukte im Geschäftsjahr 2021/22 lag deutlich über dem Vorjahreswert, wobei sich die Agrana-Zuckermärkte unterschiedlich entwickelten. Im Retailbereich konnten deutliche Mengensteigerungen in Ungarn, Rumänien und auch Bulgarien erzielt werden, während im Industriesektor die Absätze in Österreich, Tschechien und der Slowakei deutlich erhöht werden konnten.

Das EBIT lag unter dem schwachen Vorjahreswert und war folglich noch immer negativ. Höhere Zuckerverkaufsmengen und -preise konnten die gestiegenen Rohstoffkosten und vor allem die deutlich höheren Energiepreise nur zum Teil kompensieren. Ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von -2,1 Mio. Euro in Zusammenhang mit Forderungswertberichtigungen gegenüber der Beta Pura GmbH - ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine - belastete das EBIT des Segmentes zusätzlich.

Ausblick

Agrana rechnet für das Geschäftsjahr 2022/23 mit einem sehr deutlichen Anstieg beim Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) wie auch für den Konzernumsatz. Dieser Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und regional begrenzt bleibt, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist und sich im neuen Geschäftsjahr die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise normalisieren können.

Agrana erwartet auch, die insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich gestiegenen Preise in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können. Das Investitionsvolumen in den drei Segmenten soll in Summe mit rund 115 Mio. Euro zwar über dem Wert von 2021/22, jedoch unter den geplanten Abschreibungen in Höhe von rund 120 Mio. Euro liegen. (Schluss)