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20.04.2012

Weitere Abwärtskorrekturen am Milchmarkt möglich

Europaweit höhere Anlieferung stößt auf gedämpften Absatz

Kiel/Bonn, 20. April 2012 (aiz.info). - Die Erwartungen an die kommende Entwicklung auf den Milchmärkten stellen sich in der deutschen Molkereibranche als abwartend bis pessimistisch dar. Am Butter- und Pulvermarkt zeigen sich keine Anzeichen für eine Belebung. Bei Butter blieb das Ostergeschäft trotz herabgesetzter Konditionen hinter den gesteckten Zielen zurück. Nun wird von den Verarbeitern nicht ausgeschlossen, dass nach der durchgesetzten Absenkung der Notierungen Anfang März im Mai ein weiterer Verfall der Notierungen drohen könnte, teilt Dow Jones News mit. Das derzeitige Preisniveau reicht nach Ansicht mancher Marktteilnehmer noch nicht aus, um Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf die hohen Milchanlieferungsmengen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa sowie in Übersee.

Fonterra-Auktion deutet auf weltweite Korrektur hin

Die Sommermonate seien für Milchfett eine eher schlechte Saison, erklärt ein Molkereifachmann gegenüber Dow Jones News. Erst gegen Ende des Jahres dürften sich die Notierungen auf diesem Teilmarkt wieder erholen. Derzeit wird jedoch bezweifelt, dass sich die bisher vollzogenen Kurskorrekturen in der Phase der Erholung im gleichen Tempo revidieren lassen. Dennoch befinden sich auch Optimisten am Markt, für die eine schnelle Erholung im Herbst durchaus vorstellbar ist.

Im Bereich Pulver machen sich der weltweite Anstieg der Milchproduktion sowie eine gewisse Kaufzurückhaltung seitens der Schwellenländer bemerkbar. Mit einem nahezu homogenen Produkt befinden sich deutsche Produzenten in einem mehr oder minder direkten Preiswettbewerb mit Anbietern aus den USA oder Neuseeland. Die Notierungen sind weiter zurückgenommen worden, eine internationale Vermarktung ist selbst bei Euro-Wechselkursen im Bereich von USD 1,30 pro Euro derzeit nicht leicht. Als Beleg für die zunehmend schwierige internationale Milchvermarktung werteten Marktteilnehmer in Deutschland auch die zuletzt deutliche Abwärtskorrektur bei der jüngsten Auktionsrunde auf der Handelsplattform global Dairy Trade der neuseeländischen Molkereigenossenschaft Fonterra (aiz.info berichtete).

"Wir können froh sein, dass China so ein guter Käufer am Weltmarkt ist. Allerdings kaufen die Chinesen derzeit konjunkturell bedingt weniger Milchpulver ein und drängen auf eine stärkere Eigenversorgung", erklärte ein Molkereivertreter. Beim Aufbau von Milchproduktionsstrukturen in China sei vor allem Neuseeland, namentlich Fonterra, besonders stark beteiligt.

Ein weiteres Kennzeichen für das aktuelle Überangebot an Rohmilch zeigt sich auch an den Spotmärkten. Dort wird Milch auch weiterhin aufgekauft, das Preisniveau ist aber deutlich zurückgenommen worden. Der Frischebereich bietet Milchproduzenten und -verarbeitern in Deutschland wenig Hoffnung auf eine Stützung der Milchpreise. Die Verhandlungen in diesem Segment laufen aber noch. Lediglich das Geschäft mit Käse erweist sich dieser Tage als echte Stütze. Es wird bei Schnitt- und Weichkäse noch über steigende Absätze bei unveränderten Preisen berichtet.

2012 beginnt mit Neuorientierung

Eine ähnliche Einschätzung kommt von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn: "Im Jahr 2011 hat sich der Milchmarkt weiter erholt. Die festen Preistendenzen aus dem Vorjahr haben sich fortgesetzt. Die noch aus dem Jahr 2009 vorhandenen Interventionsbestände wurden weiter abgebaut. Die ersten Monate des Jahres 2012 haben allerdings gezeigt, dass auch am Milchmarkt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Seit Jänner stellt sich die Lage verändert dar. Der Anstieg der Nachfrage hat sich verlangsamt und in Verbindung mit dem hohen Angebot zu einer Abschwächung der Preise für Milchprodukte in fast allen Produktbereichen geführt", teilt die AMI heute mit.

Auch die Erzeugerpreise für Milch haben sich zu Jahresbeginn abgeschwächt. Den ersten Korrekturen im Dezember folgten im Verlauf des ersten Quartals weitere Rücknahmen. Im Februar lag der deutsche Erzeugermilchpreis nach Schätzungen der AMI bundesweit bei netto 33,3 Cent je kg, das waren 2,3 Cent weniger als noch im November 2011.

In Anbetracht des im Jahr 2011 erreichten hohen Preisniveaus und der in den ersten Monaten 2012 erkennbaren Marktentwicklungen dürften die Preise heuer im Jahrmittel weder auf den Produktmärkten noch auf der Erzeugerebene die Höhe des Vorjahres erreichen, erwarten die AMI-Experten. Vielmehr seien mehr oder weniger starke Korrekturen nach unten zu erwarten, die in der Jahresbetrachtung bei fetthaltigen Produkten stärker zum Tragen kommen könnten als auf der Eiweißseite. (Schluss)

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